Gewalt in Computerspielen
Ich bin soeben auf einen Bericht bei FrauTV gestoßen, welcher auf Frauen abzielende Gewalt in Videospielen anprangert. Das gezeigte Bildmaterial lässt zuerst eine unseriöse Panikmache vermuten, offenbarte sich – für mich – aber als ein ernstzunehmendes Thema. Dieser Bericht betreibt keine auf pure Panikmache ausgerichtete Hetze, welche wir von der Berichterstattung unserer Medien gewohnt sind, die zum Nachbeben eines jeden Amoklaufs gehören. Hier wird nicht versucht, eine ganze Szene in den Schmutz zu ziehen, sondern gezielt auf zwei Probleme aufmerksam gemacht: zum einen die Gewalt gegen Frauen in Computerspielen und zum anderen gewaltverherrlichende Computerspiele und deren teilweise junge Konsumenten.
Der Aufhänger, “Gewalt gegen Frauen in Computerspielen”, ist in meinen Augen mehr schlecht als recht. Es wird eine Szene aus “Heavy Rain” gezeigt, auf die ich weiter unten noch eingehen möchte, ein “Amoklauf” in GTA nachgestellt und ein Teil aus dem mir unbekannten Spiel namens “Red Dead Redemption” kurz vorgestellt.
Bei GTA scheint Regine Pfeifer selbst festzustellen, dass man diese Szene per se nicht wirklich in die gleiche Schublade stecken kann: “Die Gewalt richtet sich nicht in erster Linie gegen Frauen, aber es gibt die Option” Und genau das ist der Punkt: GTA gibt dem Spieler die Freiheit, das zu tun, was er gerade möchte. Ich kann also gezielt auf Frauen schießen oder aber ganz rustikal herumwüten. Für den Erfolg im Spiel ist dies nicht weiter relevant und spielt sich auch abseits von der vorantreibenden Geschichte ab. Um noch einmal auf Heavy Rain zurückzukommen: Ich habe das Spiel nie gespielt, also kann ich mir diesbezüglich auch kein umfassendes Urteil erlauben und gehe nur von dem gezeigten Videoausschnitt aus. Dieser stellt eine angedachte Folterszene dar, aus welcher sich die Protagonistin versucht zu befreien, während eine vermummte Person sich mit einem Bohrer nähert. Das Ganze findet in einer Atmosphäre statt, welche dem Gore-Schocker “Hostel” sehr ähnlich kommt.
Wenn man nun aber vom reißerischen Titel absieht, der zugegebenermaßen gegen die Produktion spricht, dann findet man im zweiten Teil eine ernstzunehmende Problematik vor, welche sich auf Folgendes reduzieren lässt:
Es gibt gewaltverherrlichende Computerspiele, also werden sie gespielt. Ob von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen, kann schwer kontrolliert werden.
Und darin besteht nun auch das Problem. Eine riesige Lobby trifft auf Eltern mit Kindern. Sie sollen überblicken, was ihre Kinder wo und wie konsumieren. Das Ganze ist wohl sicherlich bis zu einem gewissen Punkt möglich, übersteigt aber mit dem schnellen Fortschritt der Technik oft die Fähigkeiten der jeweiligen Erziehungsberechtigten.
Auch verschwimmt die Schwelle zwischen virtueller Welt und Realität für Kinder, da die Grafik der Computerspiele zunehmend wirklichkeitsnaher wird.
Das Video unter
Ähnliche Artikel:

Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass die mediale Verarbeitung von Gewalt eine wesentliche Voraussetzung für eine gewaltfreie (oder zumindest arme) Gesellschaft ist.
Gewalt verschwindet natürlich nicht aus der Gesellschaft, auch nicht als extremes Phänomen. Hingegen lässt sich eine Implementierung sozialer Normen beobachten, die die gewaltlose Interaktion der Individuen gewährleisten und forcieren sollen. Diese werden jedoch mit Akten der Gewalt konfrontiert, die trotz dieser Normsetzung stattfinden. Gesellschaft hat also ein gewissermaßen antagonistisches Verhältnis zur Gewalt: in der Gesellschaft ist Gewalt permanent virtuell präsent – als Möglichkeit und als vorgestellte Handlungsweise – und sie muss außerdem geradezu imaginär präsent gehalten werden, um genau diese paradoxe Vergesellschaftung, der sie als Gewalt unterliegt, kulturell zu verarbeiten.
Siehe:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32971/1.html
Jetzt wird die andere Seite unseriös:
http://www.digitale-generation.de/index.php?option=com_content&view=article&id=10894:neue-studie-ueber-auswirkungen-von-computerspielen&catid=65:studien-zu-gewalt-in-virtuellen-medien-und-ihre-auswirkungen&Itemid=24
Hier mal ein eigener Text aus meinem eigenen vernachlässigten Blog:
http://nischu.wordpress.com/2008/07/30/killerspiele/
Du darfst nicht vergessen, dass wir in dieser Debatte bewusst den Standpunkt eines Laien einnehmen, denn weder Fabian noch ich haben Soziologie, Psychologie oder etwas Vergleichbares studiert. Wir sind lediglich zwei Computerinteressierte, die sich bemühen, einen von vielen Standpunkten sachlich zu vertreten und dazu eine möglichst vorurteilsfreie Meinung abzugeben. Von daher erheben wir keinen Anspruch auf Korrektheit, Vollständigkeit oder gar Wissenschaftlichkeit in unseren Beiträgen – was uns aus oben genannten Gründen auch nicht möglich ist.
Fragen, die sich damit beschäftigen, wie sich Gewaltspiele auf die Gesellschaft auswirken, ob sie Aggressionen abbauen oder fördern, inwiefern sie unsere Kultur beeinflussen, sind zwar durchaus interessant und diskussionswürdig – aber: deren konkrete Beantwortung ist mehr als nur problematisch und überlassen wir daher dann doch lieber den Experten, die ihre Argumente auch mit stichhaltigen Beweisen untermauern können.
Tut mir leid, wenn meine Kommentare als Kritik an deinem Artikel angekommen sein sollten.
Sollten sie ganz und gar nicht sein. Im Gegenteil!
Ich hatte das so wahrgenommen, dass du dich mit der Thematik beschäftigst und interessiert bist, sie womöglich zu vertiefen.
Meine “Einlässe” sollten nur weitere Aspekte sein, die vll. bemerkenswert sind.
Ich bin übrigens auch kein Soziologe o.ä., sondern – wie wohl auch du – ein Computer-Interessierter, der auch an den gesellschaftlichen Zusammenhängen interessiert ist.
(Studierter Wirtschaftsinformatiker – jetzt als IT-Consultant unterwegs)
@Manuel
beziehst du dich jetzt auf meinen Artikel, oder auf Markus seinen? (http://www.intaweb.de/2010/10/05/gewalt-in-computerspielen-eine-gegendarstellung/)
Wir haben uns beide mit der Thematik beschäftigt, aber nur soweit, wie wir dem Nachempfinden können. Ich empfinde es als ziemlich Anstrengend mich durch einen Haufen von sich wiedersprechenden Studien durchzuwühlen.
Wir beziehen uns in beiden Artikeln Hauptsächlich auf den Beitrag von FrauTV, wo man zum einen Gewalt gegen Frauen in Computerspielen thematisiert, aber auch auf Kinder eingegangen wird, welche Zugang zu solchen Spielen haben. Beim Hauptthema sind wir uns fast einig: “Gewalt gegen Frauen in Computerspielen” ist ein wenig überzogen. Markus sieht darin eine Aneinanderreihung einer reißerischen Berichterstattung und ich denke, dass es ein Anfang in die richtige Richtung ist, da die Berichterstattung wesentlich Objektiver ausfällt, als es noch zu Zeiten deines Blogartikels der Fall war (siehe http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=R9JRm3iQQak)
Außerdem ist Markus der Meinung, dass die Eltern den Konsum ihrer Kinder besser kontrollieren sollten, während ich der Meinung bin, dass man dies nur bis zu einem gewissen Level ausführen kann. Der Grund dafür liegt für mich in der Tatsache, dass man als Elternteil nicht die Möglichkeit hat, in allen Elementen, welche das Kind betreffen, zum Experten zu werden.